Macht der Erzteufel
Mit Patch 2.7.1 startete am 10. Dezember 2021 die Season 25 – Seelensplitter (im Original "The Lords of Hell"). Das Thema dreht sich um sieben Seelensplitter, die jeweils einem der Lords of Hell entrissen wurden – den drei Erzteufeln und den vier Geringeren Teufeln des Diablo-Universums. Jeder Splitter verkörpert eine teuflische Domäne wie Zerstörung, Hass, Schrecken, Sünde, Lüge, Schmerz oder Qual und verleiht eurem Helden eine build-definierende Fähigkeit, die weit über klassische Item-Affixe hinausgeht.
Die Splitter teilen sich in zwei Gruppen auf: Drei Prime-Evil-Splitter wandern in den Sockel eures Helms, vier Lesser-Evil-Splitter in den Sockel einer Waffe. Ihr dürft jeweils nur einen Prime- und einen Lesser-Splitter gleichzeitig tragen – die Kombination dieser beiden entscheidet maßgeblich über euren Spielstil. Wichtig: Anders als gewöhnliche Buff-Items besitzt jeder Splitter eine spürbare Kehrseite. Für jeden mächtigen Effekt gibt es einen klaren Nachteil – das macht die Auswahl zu einer echten Entscheidung statt zu einer reinen Stat-Stapelung.
Sieben Splitter, zwei Sockel, ein Held: Season 25 verwandelte das Endgame in ein Puzzle aus Risiko und Belohnung.
Historischer Kontext: ein Thema mit Substanz
Season 25 fiel in die Spätphase von Diablo 3. Das Spiel erhielt zu diesem Zeitpunkt nur noch kleine Inhalts-Updates, und viele frühere Seasons waren reine Buff-Themen, die einer Klasse oder einem Set zeitweise mehr Schaden schenkten. Die Seelensplitter brachen mit diesem Muster: Sie waren ein eigenständiges, klassenübergreifendes System, das tief in die Build-Logik eingriff. Getestet wurde der Patch ab dem 4. November 2021 auf dem PTR, bevor er live ging – ein klares Zeichen, dass Blizzard das System ernst nahm und die Balance über mehrere Wochen feinjustierte.

Thematisch knüpfte die Season direkt an die Mythologie der Reihe an. Die drei Erzteufel – Diablo (Schrecken), Mephisto (Hass) und Baal (Zerstörung) – sowie die vier Geringeren Teufel – Azmodan (Sünde), Belial (Lüge), Andariel (Qual) und Duriel (Schmerz) – lieferten die narrative Grundlage. Jeder Splitter trug den Namen und das Wesen seines Teufels in sich, was dem Thema eine seltene erzählerische Geschlossenheit verlieh.
Die drei Prime-Evil-Splitter (Helm)
Die Helm-Splitter definierten den grundlegenden Charakter eines Builds:
- Sliver of Terror (Diablo): Eure Abklingzeiten werden um 25 % erhöht. Für jeden Skill, der sich gerade in der Abklingzeit befindet, erleidet ihr 12,5 % weniger und verursacht 12,5 % mehr Schaden. Ein Splitter für cooldown-lastige Builds, der bewusste Skill-Rotationen belohnt.
- Shard of Hatred (Mephisto): Ihr verursacht 15 % weniger Schaden, solange sich drei oder weniger Gegner in 25 Metern befinden. Bei mehr Gegnern steigt euer Schaden um 5 % pro Feind (bis maximal 50 %). Der ideale Splitter für dichte Pulls und Greater-Rift-Pushing.
- Fragment of Destruction (Baal): Ihr bewegt euch ungehindert durch Gegner hindurch und markiert jeden durchquerten Feind mit dem Zeichen der Zerstörung. Perfekt für mobile, durchpflügende Spielstile.
Die vier Lesser-Evil-Splitter (Waffe)
Die Waffen-Splitter ergänzten die Schadensquelle und brachten oft drastische Trade-offs mit:
- Essence of Anguish (Andariel): Jedes Mal, wenn ihr Giftschaden verursacht, erhaltet ihr 5 % Abklingzeitverkürzung, Bewegungstempo und erlittenen Schaden für 10 Sekunden (max. 10 Stapel). Ein Liebling von Hexendoktoren und Totenbeschwörern.
- Stain of Sin (Azmodan): Ihr verursacht 25 % weniger Schaden, doch beim Töten eines Elite-Gegners entsteht eine Blutlache, die den von Nicht-Eliten erlittenen Schaden um 250 % erhöht. Ein klassischer Risiko-Belohnungs-Splitter.
- Dregs of Lies (Belial): Getroffene Gegner verursachen 5 Sekunden lang 33 % weniger Schaden – im Gegenzug sinkt euer eigener Schaden um 50 %. Reines Defensiv-Utility.
- Remnant of Pain (Duriel): Eure kritische Trefferchance sinkt um 15 %, doch Angriffe gegen handlungsunfähige Gegner sind automatisch kritische Treffer. Stark in Builds mit viel Crowd Control.
Hellforge-Glut und das Korruptions-System
Der eigentliche Tiefgang entsteht durch das Korruptions-System. Mit einem neuen saisonalen Verbrauchsmaterial, der Hellforge-Glut (Hellforge Ember), lässt sich jeder Splitter bis zu dreimal aufwerten – eine Glut pro Rang, also drei Gluten für einen maximierten Splitter. Jede Stufe veränderte den Splitter spürbar:
- Rang 1: schaltet Augment-artige Boni frei (z. B. % Leben, Abklingzeitverkürzung, Ressourcenkostensenkung, extra Gold oder Erfahrung).
- Rang 2: fügt einen Primärattribut-Augment hinzu (Stärke, Intelligenz, Geschick, Vitalität, Allwiderstand oder reduzierten Fernkampfschaden).
- Rang 3: vergibt eine zweite, zufällig gerollte Einzigartig-Eigenschaft – hier lag das große Gamble.
Weil die Rang-3-Eigenschaft zufällig war, wurde das Aufwerten zum spannenden Glücksspiel: Ein guter Roll konnte einen Build über Nacht in eine neue Schadensklasse heben, ein schlechter zwang zum erneuten Farmen von Gluten. Genau diese Unsicherheit hielt Spieler wochenlang im Boss-Grind.
Saisonale Regeln und Grenzen
Die Splitter waren bewusst an die Season gebunden:
- Nicht handelbar, aber zerlegbar oder über Caldesanns Verzweiflung einsetzbar
- Drops nur im saisonalen Spiel – kein Transfer auf Nicht-Season-Helden nach Saisonende
- Voller Effekt nur über die richtige Helm- und Waffen-Sockelung
Auswirkung auf Builds und Klassen
Weil die Splitter klassenunabhängig funktionierten, eröffneten sich für nahezu jede Klasse völlig neue Schadensrekorde. Hexendoktoren und Totenbeschwörer profitierten enorm von der Essence of Anguish, während Crowd-Control-lastige Builds die Remnant of Pain ausnutzten. Die Shard of Hatred wurde zum Standard für dichtes Greater-Rift-Pushing, die Sliver of Terror belebte cooldown-zentrierte Rotationen neu. Von Barbaren bis Zauberern experimentierte die Community wochenlang mit frischen Kombinationen – die Build-Vielfalt war außergewöhnlich.
Warum Season 25 in Erinnerung blieb
Season 25 lief bis zum 10. April 2022 und zählt bis heute zu den beliebtesten Themen der Diablo-3-Geschichte. Anders als reine Buff-Seasons griffen die Seelensplitter dauerhaft ins Spielgefühl ein: Sie veränderten Rotationen, Schadensquellen und Build-Logik fundamental und schufen eine selten gesehene Build-Vielfalt. Die Kombination aus klarer Erzteufel-Thematik, dem riskanten Korruptions-System und den durchdachten Stärken-und-Schwächen-Splittern machte den Patch zu einem der erinnerungswürdigsten Saisonstarts der späten Diablo-3-Ära – so beliebt, dass das Thema in späteren Wiederholungs-Seasons mehrfach zurückkehrte.