Am 27. Juni 2017 erschien mit dem Paket Rückkehr des Totenbeschwörers (englisch Rise of the Necromancer) die langersehnte siebte Heldenklasse für Diablo 3. Der Totenbeschwörer ist eine bewusste Hommage an den Necromancer aus Diablo 2: Er befehligt Skelette, lässt Leichen explodieren und manipuliert Blut und Knochen. Mit der Ressource Essenz und einzigartigen Mechaniken rund um Leichen spielt sich die Klasse völlig anders als alles bisher Dagewesene – ein Wiedersehen mit einer Ikone, das die Diablo-Community jahrelang lautstark gefordert hatte. Angekündigt wurde die Klasse bereits auf der BlizzCon 2016, gut acht Monate vor dem Release, was die Vorfreude über Monate hinweg anheizte.
Eine Ikone kehrt zurück
Der Totenbeschwörer wurde als Rückbesinnung auf Diablo 2 entworfen. Statt sich an die bestehenden sechs Klassen anzulehnen, setzt er auf einen kontrollierten, fast taktischen Spielstil: Gefallene Gegner hinterlassen Leichen, die als Verbrauchsmaterial für mächtige Fähigkeiten dienen. Wo der Hexendoktor mit seinen Dienern bereits eine Pet-Klasse besetzte, grenzte sich der Necromancer durch seine düstere, kontrollierte Beschwörer-Fantasie klar ab.
- Leichenexplosion und Kadaverlanze verwandeln tote Körper in Schaden
- Skelettmagier und der Golem kämpfen als Diener an deiner Seite
- Knochenspeer und Knochenrüstung bilden den Knochen-Themenbaustein
- Blutmagie opfert eigene Lebenspunkte für verstärkte Wirkung
- Flüche wie Altern, Gebrechlichkeit und Egelfluch schwächen ganze Gegnergruppen
Die Ressource Essenz regeneriert sich nicht passiv im Überfluss, sondern wird gezielt durch Generator-Fähigkeiten erzeugt und durch Ausgeber wieder verbraucht – das verleiht dem Necromancer ein eigenes Rhythmusgefühl. Wer Diablo 2 kannte, erkannte sofort die DNA: die kühle Knochenästhetik, die Fluch-Mechanik und das Beschwören von Skelettarmeen wurden für Diablo 3 modernisiert, aber mit erkennbarem Respekt vor dem Original.
Lore und narrative Einbettung
Anders als bei einem reinen Skin-Release wurde der Totenbeschwörer auch erzählerisch verankert. Die Necromancer entstammen den Priestern von Rathma, einer Sekte aus dem fernen Osten von Sanktuario, die das Gleichgewicht zwischen Leben und Tod über alles stellt. Diese Gleichgewichts-Philosophie unterscheidet sie scharf von den dämonischen Mächten, die sie scheinbar nachahmen – ihre Magie ist Werkzeug, nicht Bosheit.
Tod ist für die Priester von Rathma kein Feind, sondern die andere Hälfte einer notwendigen Ordnung.
Diese narrative Tiefe sorgte dafür, dass sich die neue Klasse nicht wie ein Fremdkörper, sondern wie ein lange fehlendes Puzzleteil in die Welt von Diablo 3 einfügte.
Das kostenpflichtige Paket
Rise of the Necromancer war ein kostenpflichtiges Zusatzpaket für rund 14,99 US-Dollar und setzte den Besitz von Reaper of Souls voraus. Neben dem vollen Zugriff auf die Klasse in Kampagne und Abenteuermodus enthielt es zahlreiche kosmetische und praktische Extras:
- Zwei zusätzliche Truhenfächer und zwei Charakterplätze
- Die Flügel Schwingen des Kryptawächters
- Das Haustier Halb geformter Golem
- Einen Portraitrahmen, einen Wimpel sowie eine eigene Bannerform und ein Bannersymbol
Die Entscheidung, eine einzelne Klasse als kostenpflichtigen Mikro-DLC zu verkaufen, war zum Release durchaus umstritten. Kritiker bemängelten den Preis für einen einzelnen Helden, während Befürworter argumentierten, dass die mitgelieferten Extras – allen voran die zusätzlichen Truhenfächer, ein chronisch knappes Gut in Diablo 3 – den Wert deutlich erhöhten.
Patch 2.6.0

Parallel zum Paket ging Patch 2.6.0 live – und der brachte auch für alle Reaper-of-Souls-Besitzer kostenlose Inhalte, unabhängig vom Necromancer-Kauf. Im Zentrum standen zwei neue Spielzonen, die im Rahmen der Necromancer-Geschichte erkundet werden:
- Das Schleiermoor (Shrouded Moors)
- Der Tempel der Erstgeborenen (Temple of the Firstborn)
- Dazu die Schicksalssphären (Realms of Fate) als neue Kopfgeld-Gebiete
Beide Hauptgebiete sind als Abenteuermodus-Zonen verfügbar und bereichern Nephalemportale sowie das allgemeine Farmen mit neuen Kulissen und Gegnern. Dass diese Areale kostenlos an alle Reaper-Besitzer gingen, war ein bewusstes Signal: Niemand sollte vom neuen Welt-Content ausgeschlossen sein, nur weil er die Klasse nicht kaufte.
Herausforderungsportale: ein neuer Wettbewerbsmodus
Ebenfalls mit 2.6.0 hielten die Herausforderungsportale (Challenge Rifts) Einzug – ein wöchentlich rotierender, vorgefertigter Portallauf, in dem alle Spieler denselben Charakter mit identischer Ausrüstung und identischem Build steuern und um die schnellste Zeit wetteifern. Der Clou: Das verwendete Setup stammt aus dem Lauf eines echten Spielers durch ein Großes Nephalemportal in der Vorwoche und ist komplett festgelegt.
- Jede Woche wird ein neues Herausforderungsportal mit fixem Charakter und Build freigeschaltet.
- Alle Teilnehmer starten unter exakt gleichen Bedingungen – Ausrüstung, Skills und Paragon-Punkte stammen aus dem Original-Lauf, nicht vom eigenen Helden.
- Wer das Rift abschließt, erhält eine Belohnungstruhe mit Gold, Materialien und Splittern.
Das senkte die Einstiegshürde für Neulinge spürbar und bot Veteranen einen fairen, ausstattungsunabhängigen Wettbewerb, in dem reines Können über die Bestzeit entschied.
Neue Builds: Sets und Legendaries für den Necromancer
Für den Necromancer selbst kamen über 30 neue Legendaries und vier klassenexklusive Sets ins Spiel. Die Set-Themen deckten die Kernfantasien der Klasse ab:
- Rathmas Knochen – die Skelettmagier-Beschwörung
- Trag'Ouls Avatar – die Blut- und Lebensopfer-Mechanik
- Gnade des Inarius – Knochenrüstung und der rotierende Knochenwirbel
- Gewandung des Seuchengebieters – Leichen- und Knochenspeer-Synergien
Damit war die Klasse von Tag eins an mit eigenen End-Game-Builds spielbar und musste sich nicht erst über Saisons hinweg etablieren. Dazu kamen klassendefinierende Einzel-Legendaries wie die Sense Grabspitzhacke oder das Phylakterium Gebeinglocke, die einzelne Skills massiv verstärkten.
Reaktionen und Rezeption
Trotz der Preisdebatte fiel die spielerische Aufnahme überwiegend positiv aus. Der Totenbeschwörer traf einen Nerv: Er bediente die Nostalgie der Diablo-2-Generation und bot zugleich frische, mechanisch eigenständige Builds. Besonders gelobt wurden das taktische Leichen-Management und die Vielfalt der Set-Fantasien, die schon zum Start mehrere völlig unterschiedliche Spielweisen ermöglichten.
Bedeutung für Diablo 3
Rise of the Necromancer war der letzte große Klassen-Release vor der langen Ära der reinen Saison-Updates. Die Klasse erwies sich schnell als beliebt – sowohl wegen ihres Nostalgiefaktors als auch wegen ihrer ständig wachsenden Build-Vielfalt. Über spätere Patches hinweg festigte der Totenbeschwörer seinen Platz in der Meta und stellt bis heute in vielen Saisons konkurrenzfähige Builds für Große Nephalemportale. Für Diablo 3 markierte der 27. Juni 2017 damit einen der letzten großen Meilensteine inhaltlicher Erweiterung – und zugleich den Übergang in eine Phase, in der neue Saisons und Balancing die Hauptantriebskraft des Spiels wurden.